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Gedanken sind Wirklichkeit
Die Medien - Eine historisch-philosophische Standortbestimmung
Bernhard Schaub
(aus „Volk in Bewegung” 3/2005)
„Wir leben in einer Wirklichkeit, die durch die Medien gemacht wird.”
Karen Swassjan, armenischer Philosophieprofessor
D
as Wort „Medium” bedeutet „Mittel”, „Vermittelndes”.
Also stellt sich die Frage: Was wird hier wem durch wen mit welchen
Absichten vermittelt?
Um Wirkung und Einfluß der Medien
zu verstehen, muß zunächst einmal
ins Auge gefaßt werden, was „Wirklichkeit”
für den Menschen ganz allgemein bedeutet.
Als wirklich oder
wahr bezeichnet der Mensch normalerweise
etwas, was er mit seinen
fünf Sinnen erfahren hat und was er
außerdem - und das ist das Entscheidende
- gedanklich einordnen kann.
Nun ist es allerdings möglich, anstelle
der eigenen sinnenfälligen Erfahrung
auch eine glaubhafte Erzählung gelten
zu lassen. Glaubhaft ist ein Bericht
dann, wenn er von einem vertrauenswürdigen
Menschen stammt und
wenn der Inhalt der Erzählung sich
zwanglos an Gedanken und Erfahrungen
anschließt, die man schon
selbst gemacht hat. Dem Inhalt eines
solchen Berichtes gesteht man dann
Glaubwürdigkeit, das heißt Wirklichkeit
zu, wenn man sich dabei auch halb
und halb bewußt macht, daß solche
„Wirklichkeit” von minderer Qualität
ist als alles Selbsterfahrene und Selbstgedachte.
Auf dieser menschlichen, besonders
deutschen Neigung, einen Bericht erst
einmal auf Treu und Glauben hin anzunehmen,
beruht gerade die psychologische
Macht der Medien. Dabei
bräuchte man sich ja nur in Erinnerung
zu rufen, wie man sich normalerweise
im Alltag gegenüber ungesicherten
Berichten zu verhalten pflegt:
Stammt der Bericht von jemandem,
den ich nicht kenne oder der mir nicht
vertrauenswürdig ist, so zweifle ich
berechtigterweise an der Wahrheit der
Sache und lasse sie, wenn ich sie nicht
nachprüfen kann, auf sich beruhen
- ganz nach der alten Volksweisheit:
„Vom Hörensagen lernt man lügen.”
„Vom Hörensagen…”
Nun gibt es Gebiete des menschlichen
Lebens, in denen es schwierig oder
unmöglich ist, eigene Erfahrungen
zu haben und mit dem gewöhnlichen
Verstand zu eindeutigen Schlüssen zu
kommen. Das gilt vor allem für den
gesamten Bereich des Religiösen. Ob
Mohammed oder Buddha „recht” hatte,
ob Moses oder Zarathustra, Paulus
oder die Edda - darüber haben sich
die Völker seit Jahrtausenden gestritten,
und sie streiten sich noch. Warum?
Weil diese Fragen als die wichtigsten
empfunden werden, man aber
gleichzeitig mit den fünf Sinnen und
dem „gesunden Menschenverstand”
darüber nichts ausmachen kann. Also
wird im Bereich der Religion, das heißt
für den Gläubigen, der glaubwürdige
Wissensträger (oder was man dafür
hält) zum Vermittler, zum Medium
der Wirklichkeit: der Priester. Was die
Pfarrer von der Kanzel predigten, galt
in Europa während Jahrhunderten für
„die Wahrheit”.
Seit gut 200 Jahren allerdings befindet
sich die Religion - wenigstens
im Kulturbereich der weißen Rasse
- auf einem ständigen Rückzug. Zwar
glaubt noch immer der größere Teil
an „einen Gott”, aber einen konkreten
Inhalt und konkrete weltanschaulichethische
Auswirkungen hat dieser
Glaube nur noch selten. Dafür hat
sich der moderne Mensch eine neue
geistige Welt erobert und erschaffen:
die Welt der Wissenschaft und Technik.
Die Naturwissenschaft begann
ursprünglich als Revolte gegen die
Dogmen der Religion. Man denke nur
an Galilei, Kopernikus oder Darwin.
Im Laufe der Zeit aber wurde aus der
Wissenschaft selbst ein Dogma, und
außerdem wurden die Wissenszweige
immer spezialisierter und die Fragestellungen
immer verzwickter, so daß
sich die Masse der Bevölkerung schon
lange kein Bild mehr von der „Wirklichkeit”
der naturwissenschaftlichen
Erkenntnisse machen kann. Nicht nur
der Wissenschaftsbetrieb, sondern das
gesamte Bildungswesen, aber auch der
durch die Technik bestimmte Alltag
ist nun abhängig geworden von den
„Spezialisten”, also von Leuten, die,
wie spitze Zungen richtig sagen, „von
immer weniger immer mehr wissen”.
Das ist die neue Priesterkaste der Eingeweihten:
Atomphysiker, Gentechnologen,
Raketenbauer... Sie arbeiten
mit den Mächtigen in Wirtschaft und
Politik zusammen und bilden heute
gewissermassen den „hohen Klerus”
und das Theologie-Professorentum
der neuzeitlichen Technik- und Wissenschaftsreligion.
Die Priester der Mediengesellschaft
Wer aber steht an der Stelle der einfachen
Landpfarrer und Kapuzinerprediger?
Das sind nun eben die Medienleute.
Sie „vermitteln” uns heute die
Inhalte von Ethik und Wissenschaft,
von Politik, Kultur und Wirtschaft.
Und sie tun das, wie auf Kommando,
durchwegs im Sinne der Political Correctness.
Ihre Auftraggeber bleiben für
das Bewußtsein der Normalbürger im
Dunkeln. Wer Nachforschungen darüber
anstellt, in wessen Händen sich
die Medien eigentlich befinden, wird
- von eben denselben Medien natürlich
- als „Verschwörungstheoretiker”
abgetan.
Dem einfachen Medienkonsumenten
bleibt die unangefochtene und
quasireligiöse Stellung der Medien
weitgehend verborgen. Zwar kennt
jeder die Redewendung „die lügen wie
gedruckt”, und die angebliche Sachlichkeit
und Neutralität der Medien
wird durchaus hie und da bezweifelt.
Und doch verbringt der Durchschnittseuropäer
mehr als drei Stunden
täglich vor dem Fernsehschirm
und liest schon zum Frühstück die
Zeitung, um „informiert” zu sein.
Für die große Bevölkerungsmehrheit
ist die Systempresse sogar die einzige
Lektüre überhaupt. Die Leute hängen
fast ausschließlich am Tropf der
Medien.
Woher kommt das?
Dieses Verhalten hat zwei Wurzeln:
eine historisch-politische, die sich
von der Französischen Revolution von
1789 bis zur Deutschen Niederlage
von 1945 hinzieht, und eine philosophisch-
erkenntnisgeschichtliche.
Auf letztere kommt es hier an, weil sie die
psychologische Voraussetzung auch
für die erwähnten historischen Abläufe
bildet. Kurz gesagt: Der moderne
Mensch, als Anhänger des Anschauungsunterrichtes,
glaubt an die Bilder
und vergißt das Denken. Er glaubt,
die technischen Wunderapparate wie
Foto- und Filmkamera würden die
Wirklichkeit einfangen und ihm dann
auf dem Tablett auftischen. Er vergißt
völlig, danach zu fragen, wer aus welchen
Motiven gerade diese Bilder gemacht,
ausgewählt, kommentiert oder
auch schlicht und einfach gefälscht
hat. Er verhält sich so, als wäre es unwesentlich,
wer die Reporter und Journalisten,
die Chefredakteure, Agenturen
und Medienbesitzer eigentlich
sind und was sie mit ihrer Macht zu
erreichen beabsichtigen. Er spricht
allen Ernstes von „seriösen” und „renommierten”
Zeitungen und scheint
keine Ahnung zu haben, daß er mit
den Medien eine durch und durch
künstliche Wirklichkeit konsumiert,
daß er in einer virtuellen Welt lebt, in
einem Spiegelkabinett, einem Irrgarten,
einer Geisterbahn - schlimmer als
Hollywood und Disneyland zusammen.
Er hat das Selber-Schauen und
Selber-Denken an die Medienmacher
abgegeben.
Um dieser Selbstvergessenheit entgegenzusteuern,
bedarf es in Zukunft
wieder einer energischen Denkschulung.
Der Deutsche mit seiner großen
philosophischen Vergangenheit, das
„Volk der Dichter und Denker” muß
das Vertrauen zum Denken wieder gewinnen,
muß einsehen lernen, daß es
ein „Anschauen” oder „Wahrnehmen”
ohne Denken gar nicht geben kann,
daß nicht das „Bild” die Wirklichkeit
ist, sondern daß der Begriff, der Gedanke,
der das Bild auswählt, wertet
und einordnet, erst diese Wirklichkeit
schafft. Das ist in Wahrheit die
Bedeutung des großen Wortes vom
„Deutschen Idealismus”: Ideen gestalten
die Wirklichkeit!
Medien müssen dem Volk dienen
Deswegen wird es entscheidend sein,
wem wir in Zukunft - nach einem
Machtwechsel - die Medien anvertrauen.
Die sogenannte „Pressefreiheit”
ist, zusammen mit der „Demokratie”,
wohl die ärgste Fata Morgana
der letzten 200 Jahre gewesen. Warum
sollte die Presse die Freiheit haben,
zu lügen und gegen die Lebensinteressen
von Volk und Staat zu
intrigieren?
Die Medien, insoweit sie überhaupt
gebraucht werden, können und dürfen
nichts anderes sein als Diener am
Volk. Genauso wie die Regierung
dem Volk, das heißt dem Volksgeist
gegenüber verantwortlich ist,
so auch die Medien und das gesamte
Bildungssystem. Das Volk muß die
Sicherheit haben, daß es von ernsthaften
und verantwortungsbewußten
Männern und Frauen nach bestem
Wissen und Gewissen über das
Tagesgeschehen unterrichtet wird
- im Sinne und Interesse eben dieses
Volkes! Für staatenlose Medienmogule,
die am Feuer der „Pressefreiheit”
ihr eigenes Süppchen kochen,
wird dannzumal kein Platz mehr
sein. Verantwortet werden die Medien
dann ausschließlich von der
politischen Willensform des Volkes,
dem Staate, und von den zugelassenen
wirtschaftlichen und kulturellen
Körperschaften.
Es gibt im Völkerleben, in der Politik,
nicht einfach eine „Wahrheit”
oder „Wirklichkeit” schlechthin. Wie
im Wald die Bäume, so streben auch
die Völker nach ihren je eigenen Lebensgesetzen
zu Licht und Größe. Es
geht - und das ist ohne jeden moralisierenden
Nebenton zu verstehen - in
der Geschichte nicht um „Recht und
Wahrheit”, sondern um den Willen
zur Macht. Die Geschichte ist nicht
justiziabel. Wer sollte über die Geschichte
zu Gericht sitzen?
Jedes Volk lebt nach dem Gesetz,
wonach es angetreten. Und was ist
dieses Gesetz? Die durch das Denken
in Begriffe, in Ideenzusammenhänge
gebrachte Weltanschauung der Volksseele.
Eine höhere Verpflichtung gibt
es nicht, weder für Staatsmänner,
Wirtschaftsführer und Feldherren
noch für Künstler, Lehrer oder „Medienschaffende”.
Entscheidendes Nachrichten-Monopol
Man muß ja nicht glauben, daß das
Der Medienkanzler:
Mehr Schein als Sein!
den Medienverantwortlichen hinter
den Kulissen nicht bewußt wäre. Sie
haben keineswegs den Auftrag, uns
die „Wahrheit” zu sagen. Sie stehen
im Dienste ganz bestimmter Herrschaften,
die wohl wissen, was sie tun
und wessen Interessen sie befördern.
Es könnte, im Sinne einer symptomatologischen
Geschichtsbetrachtung,
vielleicht ganz informativ sein, einen
Blick in die Geschichte eines der
weltweit größten Meinungsmacher zu
werfen, der Agentur „Reuters”. Das
Stauffacher-Lexikon (Zürich 1970)
aufschlagend, finden wir folgenden
Eintrag zum Begründer dieser Agentur:
„Reuter, Paul Julius, Freiherr von, eigentl. Israel Beer Josaphat, 1816-
1899; gründete 1849 in Aachen das
erste Nachrichtenbüro; 1859 nach
London verlegt, wurde es zur offiziösen
britischen Nachrichtenagentur.”
Anmerkung der Schriftleitungvon ViB:
Bis heute gibt es weltweit nur eine handvoll
Nachrichtenagenturen, die praktisch ein
Monopol auf die Verbreitung von Nachrichten
(und damit auf die GESAMTE
mediale Wahrnehmung) besitzen; Reuters
zählt nach wie vor dazu….
Quelle:
(„Volk in Bewegung” 3/2005)
www.volk-in-bewegung.de
Das gesamte Heft ist für 3,00 Euro erhältlich
Volk in Bewegung - Verlag & Medien OHG,
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