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17. September 2008 - Deutsche Stimme
Fünfte Schockwelle erschüttert die Finanzmärkte
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or unseren Augen spielt sich eine Krise ab, deren Ende und Auswirkungen wir heute noch nicht absehen können: Seit gestern erschüttert die nunmehr fünfte Schockwelle die Finanzmärkte - diesmal ist sie aber größer und verheerender als die letzten Wellen.
Zwei Wochen nach der Verstaatlichung des halben Marktes für Wohnungsdarlehen in den USA geht nun mit Lehman Brothers die drittgrößte amerikanische Investmentbank in die Knie, das traditionsreiche Bankinstitut Merrill Lynch wird von der Bank of America übernommen, und die weltgrößte Versicherung AIG ist ins Wanken geraten. Von den einstmals fünf großen Investmenthäusern an der Wall Street bleiben nur noch Goldman Sachs und Morgan Stanley übrig. Erstmals befürchten Experten den Zusammenbruch - zumindest aber eine einschneidende Veränderung - des Weltfinanzmarktes und schauen damit in einen tiefen Abgrund hinein.
Bisher waren es die nationalen Regierungen, die mit unserem Steuergeld einen völligen Kollaps des Finanzsystems verhindert haben. Die Bundesregierung beispielsweise hat 9,2 Milliarden Euro für die Rettung der privaten Bank IKB ausgegeben. Für die Hilfe der Landesbanken muß der Steuerzahler noch zusätzlich aufkommen. Die britische Regierung hat die Hypothekenbank Northern Rock verstaatlicht. In den USA hat die Regierung zuerst durch einen Notkredit die Investmentbank Bear Stearns gerettet und danach die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac faktisch übernommen. Nun hat die amerikanische Regierung bei Lehman Brothers gezeigt, daß sie offenbar nicht in der Lage oder willens ist, jeder Bank aus den Miesen zu helfen, nur weil sie sich verspekuliert hat. Man darf aber gespannt sein, wie lange sich diese Taktik durchhalten läßt - spätestens mit einer anzunehmenden Zuspitzung der Krise dürften auch die Karten neu gemischt werden. Bevor das kapitalistische Finanzsystem aufgrund seiner Spekulationsblasen zusammenbricht, werden sich Staat und Notenbank zu seinem Rettungsanker machen.
Die Finanzmarktkrise hat ihren Ursprung in einer großen Spekulationsblase auf dem amerikanischen Häusermarkt. Hier entstand eine Liquidations- und Vertrauenskrise, die die Banken weltweit erschüttert hat. Die entstandene Kreditklemme und steigende Kosten für die Gläubiger führten dann zu den Entwicklungen, die heute im Wirtschaftsabschwung mündeten. Da die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt noch nicht abgeschlossen und die Bankenbilanzen noch nicht abschließend bereinigt sind, wird es auch noch keine schnelle Entspannung auf den Märkten geben - das Ende ist also immer noch offen. In den USA haben die Banken bisher 250 Milliarden Dollar an Wertberichtigungen vorgenommen und für 180 Milliarden Dollar Eigenkapital aufgenommen. Experten schätzen das Potential für weitere Wertberechtigungen auf 500 Milliarden Dollar. Wer soll den Banken aber das Kapital geben, die diese Einbußen abdecken?
Hier müssen sich die Politiker dann schon die Frage gefallen lassen, warum der Steuerzahler mit seinem Geld für die Verluste der Finanzhäuser haften soll, die von hochbezahlten Investmentbankern aus Renditehunger und Gier in den Ruin getrieben wurden? Manager von Investmentbanken, Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften sind mit Höchstgewinnen an dem Börsenroulett beteiligt - der Verlust soll aber verstaatlicht und von der Allgemeinheit getragen werden. Von einem überschaubaren und ausgewogenen Verhältnis zwischen Risiko und Chance kann man hier wohl kaum noch sprechen. Auch hier müssen die grundlegenden Spielregeln eines vernünftigen Wirtschaftssystem gelten: Die Partner können sich gerne die Gewinne teilen, haften aber bitte sehr auch für die Verluste!
Die globalen Finanzmärkte und ihre an den Rand der Pleite geratenen Banken, Fonds und sonstigen Finanzinstitutionen brauchen heute nicht Milliarden und nochmals Milliarden neues, frisches Geld, das die Inflation anheizt, die Moral zerstört und damit die Sanierung verhindert. Die Regierenden sollten spätestens nach dem gestrigen schwarzen Montag erkennen, daß es so wie bisher nicht weitergehen kann.
Ohne Kontrolle und Begrenzung des internationalen Bankkredits, können weder die Weltwährungen noch die Weltfinanzmärkte gesunden. Kontrollorgane müssen geschaffen werden, die destruktive Energien auf den Märkten bändigen und kontrollieren. Größe und Vernetzung von Banken, dürfen nicht automatisch die Kostenübernahme für Bankverluste durch den Staat rechtfertigen und Notenbanken dürfen nicht länger auf beiden Augen blind sein, wenn es um die Preisblasen an den Vermögensmärkten geht. Vielmehr müssen sie viel früher eingreifen. Der Sturm auf die Finanzmärkte bietet nun neue Chancen der Regulierung. Diese Chancen werden aber wieder einmal vergeben.
Quelle: www.deutsche-stimme.de
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