|
zurück
30. November 2007
„Zurückdrängung der deutschen Sprache”
Ein Brief von Frank Rennicke und Familie an den Bayerischen Rundfunk
An den
Bayerischen Rundfunk
z.Hd. Hörerbetreuung/ Radio
Rundfunkplatz 1
80335 München
Sehr geehrte Damen und Herren!
Seit Jahren hören wir als kritische Zeitgenossen Radio, nachdem wir das
Fernsehgerät zum Schutze unserer Seelen und besonders unserer Kinder aus
unserem Hause verbannt haben. Als Akt der Notwehr sind wir gezwungen,
solch politisch unkorrekte Maßnahmen zu ergreifen -- die derzeitige
Bundesfamilienministerin hat sich mehrfach ähnlich zum Fernsehen in der
BRD geäußert.
Durch Umzug ins Bayrische hofften wir nun, zumindest ein angenehmeres
Radioprogramm erfahren zu dürfen. Als Hörer Ihrer Rundfunkprogramme
fühlen wir uns als Großfamilie jedoch auch beim Bayerischen Rundfunk
nicht mehr «zu Hause«. Selbst der »Heimatsender« BR1 mit seiner
überwiegend englischsprachigen Musik kann hier kaum Geborgenheit geben.
Wir fragen uns, wieso Radio Niedersachsen oder SWR4 hier eher mal Peter
Alexander oder Reinhard Mey bringen, BR1 jedoch die Ami-Charts der 60er
Jahre durcharbeitet -- und das zu über 60 Prozent?! Leistet man die
Urhebergebühr lieber an die Beach Boys als an die Erben von Peter
Frankenfeld? Oder ist hier ein bewußter Prozeß im Gange, der bessere
Amerikaner sein zu wollen, nachdem Ihr Ministerpräsident
US-Armee-Einheiten bat, doch Bayern bewußt als Stationierungsort zu wählen?
Althörer von BR1 beklagten sich bei uns mehrfach über die
Veramerikanisierung dieses Senders in den letzten zehn Jahren. Da helfen
auch die fünfzig Minuten Volksmusik auf BR1 nichts -- oder werden diese
bei der nächsten »Programmreform« dann auch durch Folk-Musik Made in USA
ausgewechselt?
Wir wissen nicht, ob es überhaupt noch einen Sinn hat, hier zu
protestieren oder Fragen zu stellen -- letztendlich interessiert es in
der Parteiengesellschaft der BRD ohnehin kaum jemanden, was den
einzelnen Bürger drückt oder gar unpopuläre Großfamilien als
ausgegrenzte Minderheit zur Mediengesellschaft meinen. Wir halten es nur
für so unerträglich, überall die gleiche Soße hören oder gar sehen zu
müssen. Dazu dann immer noch, welchen Sender ich gerade habe -- und warum
ich ihn höre! Was soll das? Einhergehend dazu dann noch eine ständige
Werbeberieselung zu den Nachrichtenzeiten -- auch ein Otti Fischer kann
für ein Möbelhaus Werbung machend nach dem 50. Male etwas ermüden. Wozu
zahlen wir eigentlich Rundfunkgebühren -- um Werbung zu konsumieren? Und
was denken sich die Sternstundenzeitmacher und die Sänger, wenn in
bestem Houston-Gesangsstil solch Texte wie »... wir gehen Hand in Hand
für das Leben« oder »... ein Lied für die Kinder ...« zur Weihnachtszeit
als Kauf-CD gepriesen werden, während auch im Freistaat die
Abtreibungsmorde nebst demographischer Chaosentwicklung nur sehr schwach
medienmäßig bewältigt werden? Geht es denn nur noch um's Geld oder ist
hier schon Verhöhnung am Werke?
Wir reden nicht nur von Zivilcourage, sondern wir erziehen unsere Kinder
auch zu kritischen Menschen und müssen leider auch Ihre Sender als
Negativbeispiele immer wieder nutzen. Und Sie werden ganz gewiß durch
Ihre Presseabteilung gut geschulte Menschen haben, die auf unser
Schreiben Verständnis zeigen und »... wir werden das der
Programmgestaltung zur Kenntnis bringen ...« als Antwort schreiben
werden -- ersparen Sie uns und sich solche Phrasen -- sorgen Sie einfach
für ein Programm, und wenn es nur auf BR1 am Vormittag wäre, wo wir uns
als Deutsche in der eigenen Sprache, mit Sängern unseres Kulturkreises
der letzten fünfzig Jahre und ohne Werbung einfach mal geborgen fühlen
können. Mit 10 Prozent English-Pop der 60er bis 90er leben wir dann
gerne. Wir wissen, viele Ihrer Hörer verlangt es genauso danach. Und
bitte tun Sie ein solches nicht gleich als Deutschtümelei oder
konservatives Scheuklappendenken ab. Auch wenn Sie Menschen wie uns so
schnell als »nicht repräsentativ« in Schubladen einkerkern -- unsere
Kritik ist treffend und Ihr Programm ist verbesserungswürdig. In
Frankreich sind Radiosender nicht so amerikanisiert und die
»Heimatsender« anderer Rudfunkhäuser in Deutschland sind wesentlich
bodenständiger als hier in Bayern.
Mit freundlichen Grüßen
Familie Rennicke, Leutershausen
NS: Ihre »Deutsch nach acht«-Sendungen die fast eine Stunde
deutschsprachige Schlagermusik an den Wochentagen bringen, sind leider
kein Schritt in die richtige Richtung. Denn statt als Ergänzung für
fremdländische Sprache zu sein, wird nun im Tagesprogramm die eigene
Sprache noch mehr zurückgefahren. Wir können uns des Eindrucks nicht
erwehren, hier werden klare politische Forderungen nach Zurückdrängung
der deutschen Sprache in der Wirklichkeit angewendet. Warum tun Sie das
-- wem soll das dienen und was ist das Ziel dieser Programmgestaltung?
Quelle:
www.rennicke.here.ws
Deutsche Stimme - 12 / 2007
|
|
|
|
|