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1. Oktober 2006
Der Traum von der freien Republik

Zum 195. Geburtstag von Friedrich Hecker

H eute (28. September 2006) vor 195 Jahren, am 28. September 1811, wurde der badische Nationalrevolutionär Friedrich Hecker geboren. Friedrich Hecker zählte zu den populärsten Agitatoren Süddeutschlands während der Zeit des Vormärz. Nach dem Scheitern des von ihm ausgerufenen, von Konstanz ausgehenden „Heckeraufstands“ emigrierte er in die USA, wo er schließlich im Jahre 1881 starb.
Seine politische Laufbahn begann Friedrich Hecker mit akribischer Graswurzelarbeit: Nachdem er sein Studium der Rechtswissenschaften 1834 erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde er im Jahre 1840 in den Mannheimer Gemeinderat gewählt. 1842 stieg er zum Abgeordneten der Zweiten Badischen Kammer in Karlsruhe auf, wo er als ausgezeichneter Redner schnell überregionale Popularität erlangte und zum Wortführer des sozialen Flügels der demokratischen Opposition wurde.
In seinen Reden propagierte Hecker radikale demokratische und im späteren Sinne sozialistische Ideen: Die Unterstützung der Unterprivilegierten, Abschaffung der Monarchie, sowie die Einführung einer gesamtdeutschen parlamentarischen Republik waren seine Anliegen. Mit scharfen Worten forderte er die Beseitigung des Missverhältnisses zwischen der Schrankenlosigkeit des Großkapitals und der Not des vierten Standes.
Als schließlich im Jahr 1848 die Märzrevolution das politische Leben im zerteilten Deutschland in den Grundfesten erschütterte, keimte in Hecker und seinen Gesinnungsgenossen die Hoffnung auf, nun endlich ihre radikal-sozialen Ziele durchsetzen zu können. Doch im so genannten „Frankfurter Vorparlament“ (31. März bis 3. April 1848), das die Vorstufe zur Paulskirchenversammlung darstellte, erhielt die Bewegung Heckers für ihre revolutionären Ideen keine Mehrheiten.
Enttäuscht von den biederen Frankfurter Demokraten unternahm Hecker gemeinsam mit seinem engsten politischen Weggefährten Gustav Struve am 13. April 1848 von Konstanz aus einen bewaffneten revolutionären Aufstand, der als „Heckerzug“ in die Geschichte eingegangen ist. Konstanz, die als liberal geltende Hauptstadt des Seekreises, erschien ihm als idealer Ausgangspunkt für einen Revolutionszug von Freischärlern gegen die Residenz in Karlsruhe. Hecker überschätzte jedoch die Teilnahmewilligkeit der Bevölkerung. Sein Zug von anfänglich 30-50 Mann wuchs innerhalb einer Woche zwar auf rund 800 Teilnehmer an, doch wurde er von Truppen des Deutschen Bundes in die Enge gedrängt und bei Kandern im Schwarzwald besiegt.
Nach der blutigen Niederschlagung des Heckeraufstandes bei Kandern erklärte Hecker die Deutsche Revolution für gescheitert, und emigrierte im September 1848 enttäuscht in die USA, wo er ebenfalls politisch aktiv wurde, und später in einem Regiment von deutschen Auswanderern am Sezessionskrieg teilnahm. Die Gründung des Deutschen Reiches im Januar 1871 wurde von Hecker begrüßt, wenn auch er sich vehement gegen die preußische Hegemonie und die von Bismarck betriebenen Sozialistenverfolgungen aussprach.
Friedrich Hecker starb schließlich im Jahre 1881 mit 69 Jahren auf seiner Farm in Illinois.

Auch nach seiner Emigration blieb Hecker einer eine der bedeutendsten Idolfiguren der radikalen deutschen Republikaner, insbesondere in Südwestdeutschland. Besonders in Südbaden wird heute noch des Nationalrevolutionärs Hecker gedacht. So gibt es unter anderem ein Friedrich-Hecker-Gymnasium in Radolfzell, sowie eine Friedrich-Hecker-Schule im mittelbadischen Sinsheim. Der AStA der Universität Konstanz trat darüber hinaus lange Zeit für die Umbenennung der Hochschule in „Friedrich-Hecker-Universität“ ein. In Konstanz findet sich auch ein modernes Relief des Heckerzugs unter dem Balkon des Stadthauses, von dem Hecker 1848 die Republik ausgerufen haben soll – ein Ereignis, das es so allerdings nicht gegeben hat.

Heute, 195 Jahre nach der Geburt Friedrich Heckers, befinden wir uns in einer Zeit des allgemeinen Niedergangs. Sozialabbau und kapitalistische Globalisierung bestimmen unser tägliches Leben. Der Freiheitskämpfer Hecker würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, wie heute mit seinem Namen und seinen politischen Ideen Schindluder getrieben wird. Eben jene, die sich heute auf Friedrich Hecker berufen, verraten tagtäglich durch ihre Anbiederung an den kapitalistischen Zeitgeist seine Prinzipien. Uns süddeutschen Nationaldemokraten jedoch soll der sozialpatriotische Demokrat Friedrich Hecker mit seinen Forderungen nach nationaler Einheit, nach sozialer Gerechtigkeit und Freiheit, ein Vorbild sein. In Zeiten, in denen die sozialen und nationalen Errungenschaften unseres Volkes aus den letzten beiden Jahrhunderten mit Füßen getreten, und Stück für Stück von einer volksvergessenen Kaste machtgieriger Politiker verkauft und zerstört werden, ist es an der Zeit, zu demonstrieren, dass die nationale und soziale Opposition in Deutschland nicht diejenigen vergessen hat, die ihr Leben in den Dienst des Gemeinwohls gelegt haben, um für eine bessere Zukunft zu streiten.
(pz, mit Auszügen aus Wikipedia)




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